Das vor zwanzig Jahren, im Jahr 1984 und somit nur ein Jahr nach dem Ableben des berühmten französischen Urbanisten Robert Auzelle gegründete Seminar Robert Auzelle hat sich der Förderung städtischer Kunst verschrieben.
Der in diesem Zusammenhang entstandene eingetragene Verein wird heute als gemeinnützig anerkannt; seine pädagogische Berufung betrifft zugleich die Aus- und die Weiterbildung von mit der Gestaltung des Lebensrahmens beruflich tätigen Personen. Seine Zielgruppe besteht somit aus Architekten, Bauingenieuren, Künstlern, Geographen, Urbanisten, Landschaftsbauern und Bauwirtschaftlern; doch auch Raumplaner, Bauträger, Assistenten und verantwortliche Bauleiter privater und öffentlicher Bauherren sind vorrangig betroffen.
Es handelt sich somit um Anbieter intellektueller Dienstleistungen im Bereich des Lebensrahmens, die mit ihrem auf einem anerkannten Wissen und Know-how gründenden Beruf ihren Lebensunterhalt bestreiten. Sie sind im Rahmen ihrer Tätigkeit für die Gestaltung und Veränderung unseres Lebensrahmens mitverantwortlich. Auch der Bürger und Volksvertreter ist hiervon, wenn auch in unterschiedlichem Maße, betroffen.
Was ist städtische Kunst?
Welche Bedeutung hat sie für die Akteure der Bauleitung gegenüber den Bauherren und Bürgern eines Landes?
Die vom Seminar Robert Auzelle in diesem Zusammenhang verfasste Definition setzt städtische Kunst mit den ethischen Grundsätzen des Lebensraums in Bezug "sämtliche fachübergreifenden Ansätze zur Gestaltung oder Veränderung städtischer Anlagen, die unter Einbeziehung von Kriterien der architektonischen Qualität, der Qualität des gesellschaftlichen Lebens und des Umweltschutzes erfolgen".
Diese Definition charakterisiert die "attitude arturbain" der Mitglieder des Seminars Robert Auzelle besser als die der "nachhaltigen Entwicklung", auf die wir später noch eingehen werden; sie setzt nämlich ein persönliches Engagement im beruflichen Leben im Hinblick auf die ethischen Werte des Lebensrahmens voraus.
Im Jahr 2002 haben wir in der Ausstellung "Robert Auzelle und das Seminar" gezeigt wie das Werk Robert Auzelles die pädagogischen Aktivitäten des Seminars beeinflusst hat. Im Jahr 2003 haben wir dann im Gedenken an Robert Auzelle im Bezug auf seine Werke und Schriften belegt, dass die Grundlagen seiner Lehre unsere Epoche beeinflussen.
In einem dritten Teil dieses Ansatzes präsentieren wir im Jahr 2004 die Lehre zur Förderung städtischer Kunst aus einem globalen und universellen Blickwinkel. Was ist diese Lehre? Sie beruht auf drei wesentlichen Achsen:
- Dem Vokabular der städtischen Kunst, mit dessen Hilfe alle Akteure eine gemeinsame Sprache sprechen;
- dem Internationalen Wettbewerb Urbaner Kunst, der Studenten und Wissensvermittler zu einer Überlegung über die Ethik des Lebensrahmens, die einem Projekt seinen Sinn verleiht, einlädt;
- dem Preis arturbain.fr, der den exemplarischen Charakter bestimmter städtebaulicher Maßnahmen anerkennt, damit diese nicht in Vergessenheit geraten.
Diese drei Lehransätze spielen auf der Website arturbain.fr zusammen, um die "attitude arturbain" beim breiten Publikum zu fördern.
Diese Website wird weltweit vermehrt eingesehen. Dank der neuen Informationstechnologien wird diese Lehre heute allen zugänglich.
Was bedeutet attitude arturbain? Die Definition städtischer Kunst des Seminars Robert Auzelle stellt für alle Betroffenen eine gemeinsame Ausgangsbasis für ihre Überlegungen dar. Für die in der Gestaltung des Lebensrahmens beruflich Tätigen ist attitude arturbain eine auf fünf Grundprinzipien fundierte Verhaltensweise:
1/ Betrachten lernen und die Gleichgültigkeit des Blicks auf einen banalisierten städtischen Raum bekämpfen, der allzu oft missbräuchlich von Fahrzeugen, Werbung in Beschlag genommen, allzu dicht oder gigantisch belegt wird oder in dem die Armut Überhand nimmt; und es dabei vermeiden, die Augen zu schließen, damit der Blick als Mittel der Analyse und Wahrnehmung des städtischen Raums dient.
2/ Das Vokabular der städtischen Kunst erlernen, da dieses die Neugierde der Createure auf die Entwicklung der Sitten, Formen und städtischen Gestaltung in der Geschichte des städtischen Raums unseres und anderer Länder fördert; das Interesse des Bürgers für beispielhafte Bezugspunkte der Vergangenheit und der Gegenwart erwecken, die eine Grundlage für die Zukunft dieser Begriffe bilden.
3/ Das Gedächtnis eines Ortes kultivieren lernen, damit jedes städtische Projekt eine kontinuierliche Entwicklung auf der Grundlage der Kenntnis des betroffenen Standortes darstellt; aber auch exemplarische Vorhaben im Gedächtnis bewahren, um deren gesellschaftliche und umwelttechnischen architektonischen Grundlagen hervorzuheben.
4/ Kommunizieren lernen, um somit auf örtlicher Ebene entspannte demokratische Debatten zu fördern, bei denen alle unwissenden Bürger (dieser Begriff ist hier nicht negativ belegt) von unabhängigen Fachleuten des Lebensrahmens informiert werden, wobei diese Fachleute über die für die Bewertung und visuelle Darstellung notwendigen Kenntnisse verfügen. Die politische Gewalt behält hierbei ihren Stellenwert, um ihre Verantwortung und Entscheidungsfähigkeit zu wahren.
5/ In einem fachübergreifenden Team arbeiten lernen, wobei Bauleiter und Bauherren die gleichen berufsethischen Regeln und rationellen Bewertungs- und Qualitätskriterien zur Anwendung bringen. Eine dieser Regeln würde darin bestehen, gemeinsam und unvoreingenommen ethische Fragen des Lebensrahmens ansprechen zu können.
Die Devise Robert Auzelles "ständig lernen" ist die philosophische Grundlage dieser Studenten, Lehrenden und Fachleuten gemeinsamen Lehre.
Robert-Max ANTONI, 24. Mai 2004